Deicherhöhung / Deichsicherheit


Deiche werden zum Schutz vor Sturmfluten errichtet. Seit dem 12. Jahrhundert gab es an der Elbe 21 solche Ereignisse. Am schlimmsten war es am 16./17. Februar 1962: Die Deiche brachen an vielen Stellen und mehrere hundert Menschen kamen in den Wassermassen um. Zeitzeugen berichten noch heute davon. 1976 kam es erneut zu einer verheerenden Sturmflut. Im Alten Land hielten die Deiche, aber in Kehdingen und in der Haseldorfer Marsch brachen sie an einige Stellen. Gewaltige Wassermassen überfluteten das Land. Der Wasserpegel sank und so blieben andere Regionen verschont.

Früher wurde die Höhe der Deiche nach den Erfahrungen vieler Generationen bemessen. Heute kann niemand mit Sicherheit sagen, was auf uns zukommt. Die Klimaerwärmung lässt den Meeresspiegel ansteigen. Auch die Elbvertiefung trägt dazu bei, dass die Wasserstände bei auflaufendem Wasser und bei Sturmfluten höher sein werden als in den vergangenen Jahren. Ein Deich ist immer so gut wie seine schwächste Stelle. Deswegen werden die Deiche an der Elbe erhöht und / oder verbreitert. 

Deiche werden aus Marschboden, genannt Klei, gebaut. Klei ist ein Gemisch aus Ton, Schluff und Sand mit organischen Anteilen. Dabei unterscheidet sich guter Klei von weniger geeignetem. Der Bedarf ist über die Jahrhunderte mit den immer weiter steigenden Wasserpegeln bei Sturmfluten gestiegen. Bestand ein Deich früher zu 100 Prozent aus Klei, so trägt er heute nur noch eine ein bis zwei Meter dicke Kleischicht und im inneren einen Sandkern. Etwa 200.000 Tonnen Klei werden für etwa einen Kilometer Deich benötigt.

Im Zuge der Aufstellung des Generalplans Küstenschutz für Niedersachsen und Bremen wurden alle Hauptdeiche über ihre Gesamtlänge von 610 Kilometer neu vermessen. Aus diesen Daten wurde der Kleibedarf für Niedersachsen ermittelt. Dabei geht es um mehr als 14 Millionen Kubikmeter für die kommenden 25 Jahre. Müssten die Deiche wegen der Folgen des Klimawandels gar um einen Meter erhöht werden, stiege der Kleibedarf auf bis zu 30 Millionen Kubikmeter." Der Bedarf an Klei bei der Umsetzung der Küstenschutzmaßnahme steigt, aber die ortsnahe Verfügbarkeit ist stark begrenzt. Landwirtschaftliche Nutzflächen könnten den Kleibedarf kompensieren. Es gibt auch Naturschutzgebiete mit Kleivorkommen. Beide hätte weitreichende Folgen für die Landschaft und die Agrarflächen. Alternativen wären Beton oder Basalt als Baustoff, der auf der Deichaußenböschung statt Klei Verwendung finden könnte.

Zurzeit weiß niemand, wie und woher das dringend benötigte Material beschafft werden könnte. Aber es müssen sehr bald Lösungen gefunden werden. Der Pegel steigt und die nächste Sturmflut kommt bestimmt.