Wie kann man den schlimmen Zustand der Elbe mehr in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger bringen?

Die Elbe ist eines der bestimmenden Elemente unserer Region. Die Menschen leben hier am und mit dem Fluss. Die Elbe hat damit hohe, sogar eine existenzielle Bedeutung für unsere Region, den Natur-, Arten- und insbesondere den Küstenschutz. Daher glaube ich, dass der Zustand der Elbe schon stark im Bewusstsein der Menschen bei uns verankert ist.

 Warum sind Sie gegen bzw. für die Kreislaufbaggerei?

Natürlich bin ich ganz klar gegen die Kreislaufbaggerei, die ja leider zur Gewohnheit geworden ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass mit ihr niemandem geholfen ist, nicht der Freien und Hansestadt Hamburg mit ihrem Hafen, nicht der Elbe und schon gar nicht den Elb-anliegenden Kreisen oder den Nebenarmen und der mit ihnen verbundenen Landschaft. Die Folgen der Entwicklung in den letzten Jahren sind überall sichtbar. Die Verschlickung der Elbe und der Elbnebenarme wird immer dramatischer und zu einer echten Gefahr für Natur und Umwelt aber auch den Küstenschutz, wenn ich etwa an das Sperrwerk an der Este denke.

Welche Werkzeuge besitzt ein Landrat, um gegen die Elbvertiefung / Kreislaufbaggerei vorzugehen? Welche wollen Sie einsetzen?

Zunächst einmal hat der Landrat unseres schönen Küstenkreises eine starke Stimme der Region gegenüber Hamburg, aber eben auch den beteiligten Bundesbehörden und der Bundesregierung. Der Landkreis und auch der amtierende Landrat haben sich bisher immer kritisch zur Elbvertiefung eingebracht und stark die Interessen unserer Region vertreten. Im Falle meiner Wahl werde ich sicherlich auch von meinen politischen Kontakten in Hannover und Berlin profitieren, die ich selbstverständlich nutzen werde. Gleichzeitig gilt es auch, aus der Region heraus eigene Konzepte für eine verbesserte Unterhaltung der Elbe und ihrer Nebenarme zu entwickeln und diese aktiv zu unterstützen, wie zum Beispiel mit einem eigenen Sediment-Management, welches wir derzeit im Zusammenhang mit den notwendigen Erhöhungen unserer Deiche diskutieren und unterstützen.

Wie können Sie als Landrat das langwierige Genehmigungsverfahren für die Deicherhöhung  beschleunigen?

Für mich ist die Sicherung des Küstenschutzes eines der zentralsten Themen unserer Region für die nächsten Jahre. Ich sagte bereits, der Küstenschutz ist existenziell für die Region. Erstrecht, wenn man die Folgen des Klimawandels mit vermehrten Starkwetterereignissen und dem Anstieg des Meeresspiegels bedenkt. Die Sicherheit der Menschen aber natürlich auch von Natur und Landschaft muss im Mittelpinkt stehen. Bereits heute setze ich mich als Landtagsabgeordneter in den Landesbehörden und Ministerien massiv für eine Beschleunigung der Maßnahmen ein. Wichtig ist zum Beispiel, dass landesseitig ausreichend Planungskapazitäten zur Verfügung gestellt werden. Diesen Weg würde ich als Landrat natürlich weiter forcieren und bin mir sicher, dass ich hierbei immer auch den gesamten Kreistag an meiner Seite hätte.

Was können Sie zur Beschaffung von Flächen tun, um dort Schlick  für den Deichbau zu trocknen?

Zunächst möchte ich noch einmal ausdrücklich betonen, dass ich die Konzepte zur Aufbereitung des Schlicks für die notwendigen Küstenschutzmaßnahmen ausdrücklich unterstütze. Aus diesem Grund habe ich auch frühzeitig, gemeinsam mit meinem Landtagskollegen Helmut Dammann-Tamke, gegenüber Umweltminister Olaf Lies für ein solches Konzept geworben. Wir brauchen in den nächsten Jahren rund vier Mio. Kubikmeter Klei für die Ertüchtigung der Deiche. Allein die notwenigen Bodenentnahmen und Transporte würden eine riesige Belastung darstellen. Daher bietet es sich an, in direkter Nähe zur Elbe entsprechende Ablagerungsflächen zu erstellen. Hier kann der Landkreis gemeinsam mit den betroffenen Kommunen eine Steuerungsfunktion übernehmen. Als einen möglichen Standort setze ich auch auf eine Fläche auf Hahnöfersand. Hierzu habe ich bereits Gespräche mit Vertretern der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg geführt.

Wo sehen Sie den Zustand der Elbe in 5 und in 10 Jahren?  Und unser Verhältnis zu Hamburg?

Ich setze darauf, dass alle Beteiligten in den Bundesländern, der Bundesregierung und den beteiligten Behörden bereit sind ihre Verantwortung zu übernehmen und die Situation der Elbe fortlaufend evaluiert und begleitet wird. So dass dies in den Fragen des Sedimentmanagements, der Verschiebung der Brackwasserzone aber auch in der Fischerei sowie im Natur- und Artenschutz zu Verbesserungen und Stabilisierungen führt und Lothar Buckow als Elbfischer über eine Verbesserung der Fischbesatzes berichten kann. Das Verhältnis zu HH kann und darf sich meines Erachtens nur verbessern. Die Grundvoraussetzung dafür ist, dass wir als Region in Hamburg als ein Gesprächspartner auf Augenhöhe behandelt werden und dies nicht nur, wenn Hamburg etwas von uns möchte. 


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