1) Wie kann man den schlimmen Zustand der Elbe mehr in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger bringen?

Ich glaube, dass wir bei dieser Frage mehrere Dinge trennen müssen. In Bezug auf den Tourismus und die Wasserqualität ist die Elbe in einem guten bis sehr guten Zustand. Gleiches gilt für die Anforderungen des Wassersports. Insofern ist die Frage Ihrerseits sehr pauschal und das wird meiner Ansicht nach der Elbe nicht gerecht. Gleichwohl hat die letzte Elbvertiefung dazu geführt, dass das ökologische Gleichgewicht der Elbe aus den Fugen geraten ist. Dies sehen wir am abnehmenden Fischbestand, dies erkennen wir an der Sedimentablagerung in den Nebenarmen und -flüssen, sowie in den Hafenbecken. Es ist unsere Aufgabe als Politik und Verwaltung vor Ort, gemeinsam mit den Umweltverbänden, den Anwohnern und allen anderen Betroffenen, Gruppen, Vereinen, Verbänden, Organisationen und Unternehmen auf die Vielschichtigkeit des Flusses hinzuweisen und deutlich zu machen, dass auf niedersächsischer Seite die Auswirkungen der Elbvertiefung massiv spürbar sind. Wir müssen mit den Menschen sprechen, wir müssen Veranstaltungen durchführen, wir müssen Öffentlichkeitsarbeit machen und wir müssen Fachforen durchführen. Damit schaffen wir Verständnis für die Situation an der Elbe.

2) Warum sind Sie gegen bzw. für die Kreislaufbaggerei?

Auch hier bin ich der Überzeugung, dass die pauschale Frage keine einfache Antwort erhalten kann. Aktuell scheint die Kreislaufbaggerei notwendig zu sein, um die Fahrrinne und die Hafenbecken entsprechend schiffbar zu halten. Allerdings ist es die zentrale Aufgabe der Freien und Hansestadt Hamburg und der Hafenwirtschaft, dass dieser Zustand nicht dauerhaft ist, weil er erstens unglaublich teuer ist, weil er zweitens das Ökosystem permanent angreift und weil es drittens nicht sinnvoll ist Maßnahmen durchzuführen, ohne deren Ursachen zu verändern. Grundsätzlich ärgert mich die Kreislaufbaggerei und ich würde lieber heute als morgen sehen, dass sie beendet werden kann.

3) Welche Werkzeuge besitzt ein Landrat, um gegen die Elbvertiefung / Kreislaufbaggerei vorzugehen? Welche wollen Sie einsetzen?

Der Landrat und der Landkreis sind im Verfahren der Elbvertiefung nur insofern Akteur, als dass sie einerseits im Genehmigungsverfahren Träger öffentlicher Belange sind und zum Verfahren Stellung beziehen können. Dies würden wir bei einer neuerlichen Antragstellung die Elbe nochmal tiefer auszubaggern sicherlich deutlich tun. Zum anderen kann man politisch seine Stimme erheben und Einfluß nehmen. Auch dies würden wir laut und deutlich machen. Der Hamburger Senat weiß, denke ich, dass der Landkreis Stade mit dem Landkreis Cuxhaven zusammen gegen eine weitere Elbvertiefung mobil machen würde. Bei der Kreislaufbaggerei ist es ein wenig schwieriger. Auch hier werden wir Gespräche führen und auch hier können wir unseren politischen Einfluß geltend machen. 

4) Wie können Sie als Landrat das langwierige Genehmigungsverfahren für die Deicherhöhung  beschleunigen?

Wir werden die Deichverbände nach Kräften unterstützen wo wir es können und dürfen. Wir werden unsere Hausaufgaben machen und wir werden bald nach der Wahl mit den betroffenen Menschen, Organisationen und Unternehmen ins Gespräch gehen, damit Einwendungen vorab abgearbeitet werden können und möglichst in der Planungsphase berücksichtigt werden. Dass führt dann dazu, dass das eigentliche Verfahren hoffentlich so schnell wie möglich abläuft.

5) Was können Sie zur Beschaffung von Flächen tun, um dort Schlick  für den Deichbau zu trocknen?

Hier verweise ich auf die Antwort zur vorherigen Frage. Ich glaube es ist von zentraler Bedeutung, dass schon jetzt bald die Gespräch mit den Grundeigentümern geführt werden. Dass schon jetzt die Genehmigungsverfahren vorbereitet werden und dass schon jetzt alle Hausaufgaben erledigt werden. Außerdem gilt es beim NLWKN und dem Umweltministerium um Fördermöglichkeiten zu werben und gemeinsam diesen Weg zu gehen. Diese Idee der Deichverbände begleite ich schon eine ganze Zeit und ich bin der Überzeugung, dass sie eine absolute win-win-Option ist. 

6) Wo sehen Sie den Zustand der Elbe in 5 und in 10 Jahren?  Und unser Verhältnis zu Hamburg?

Ich werbe dafür, dass wir dem komplexen Ökosystem Elbe, mit allen Nebenflüssen, Seitenarmen, Inseln, Häfen usw. jetzt erstmal eine Phase der Ruhe ermöglichen. Meine Hoffnung ist, dass wir in 10 Jahren ein Ökosystem haben, dass sich auf den letzten Eingriff eingestellt hat und die Folgen, die wir jetzt sehen überwinden konnte. Danach müssen sie ökologischen Auswirkungen von weiteren Eingriffen immer von viel zentralerer Rolle in der Abwägung sein, als sie es bisher waren. Ich gehe davon aus, dass unser Verhältnis zur Freien und Hansestadt Hamburg sich nicht maßgeblich verändert wird. Wir müssten an vielen Stellen viel besser zusammenarbeiten und ich würde mit den Kontakten in Senat und Bürgerschaft genau dafür werben und würde die Metropolregion Hamburg vielmehr als aktuell als „Kreis der guten Nachbarschaft“ vermitteln, die beidseitig ist. In einer solchen Konstellation würden wir alle davon profitieren.


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